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Der Syrer Mohamad Zubaida: „Sie haben mir alles weggenommen“

veröffentlicht um 26.04.2017, 01:08 von Gino Teixeira Rebelo

Als Profi-Fußballer lebte Mohamad Zubaida in seinem Heimatland Syrien nicht schlecht. Acht Jahre lang, von 2006 bis 2014, spielte er in der Premier-League, der 1. Liga in Syrien. Die beiden Vereine für die er aktiv war heißen Al-Wahdeh und Al-Jaish. Er verdiente dabei gut, konnte sich das eine oder andere für sich und seine Familie leisten. Sogar in die Nationalelf wurde er berufen und brachte es auf rund 50 A-Länderspiele.

Die Nationalfarben trug er fünf Jahre lang, von 2007 bis 2012. Dann gab es auf Länderspielebene einen Bruch. „Wir wurden von der FIFA bestraft und durften zwei Jahre lang keine Spiele mehr ausrichten, weil ein Spieler von uns keine Spielberechtigung hatte.“

Aber es kam noch schlimmer für ihn. Im Herbst 2014 nahmen die Unruhen in Syrien zu. Er entschloss sich, das Land zu verlassen und später seine Familie nachzuholen. „Sie haben mir alles weggenommen, mein Haus, das Auto und das Bargeld. Einfach alles.“ Das war in Daria, das drei Kilometer von Damaskus entfernt liegt. Sein Haus war zerbombt. Nichts war so wie es mal war. Seine Frau und seinen Sohn nahm er mit nach Damaskus. Dort hatte er eine Wohnung gemietet, zudem leben die Eltern dort.

Mohamad Zubaida nennt es Bürgerkrieg, was sich gerade in seinem Land abspielt. Machthaber Assad gehe gegen seine eigenen Leute vor, die sich gegen ihn stellen, sagt er. „Jeder Demonstrant, jeder Oppositionelle, im Prinzip Jeder der gegen das Regime etwas sagt befindet sich in großer Gefahr, ja Todesgefahr. Er rächt sich fürchterlich.“

Mohamad Zubaida gehörte nicht zu den Oppositionellen, er war Nationalspieler und musste mit seiner Meinung hinter dem Berg halten, weil er eben in der Öffentlichkeit stand. Doch die Rache hatte auch sein Dorf getroffen. Der 28-Jährige machte sich im Herbst 2014 von Damaskus aus in Richtung Deutschland auf den Weg  — ohne Frau und Sohn. Über den Libanon, Lybien und Algerien ging es mit dem Schiff über das Mittelmeer nach Sizilien und schließlich nach Deutschland. Bis seine Frau und der jetzt knapp vierjährige Sohn per Flugzeug – auf eigene Kosten _ nachkommen konnten, dauerte es acht Monate. Aber es klappte. Zwischenzeitlich wurde eine Tochter in Reutlingen geboren. Sie ist jetzt ein Jahr alt. Mohamad Zubaida hat in Deutschland eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre erhalten. Sie endet im Januar 2018. „Wenn dann immer noch Krieg in Syrien ist, kann ich weiter bleiben“, sagt er.  Eine Aufenthaltsgenehmigung ist zum einen gekoppelt an verpflichtende Deutschkurse, die für ihn in Reutlingen täglich fünf Stunden dauern, von Montag bis Freitag. Dazu muss eine Ausbildung oder eine Arbeitsstelle nachgewiesen werden. Einen Ausbildungsplatz sucht er noch.

Nach dem Abitur in Syrien konnte er wegen des Profi-Fußballs kein Studium beginnen  und kann folglich auch keinen erlernten Beruf nachweisen. „Ich möchte schon hier bleiben und mir eine Existenz aufbauen“, sagt er und eben „mein eigenes Geld verdienen“. Bisher unterstützt der deutsche Staat die Familie. Kurse, Miete und ein monatliches Grundgehalt werden bezahlt. Die vierköpfige Familie, die in der Nähe des Kreiskrankenhauses wohnt, kommt über die Runden.

In seiner Freizeit bleibt noch Platz fürs Fußballspielen. „Ich bin in Metzingen gut aufgenommen worden und fühle mich hier wohl,“ sagt er.  Über eine Whats App eines Metzinger Spielers wurde er auf die TuS aufmerksam und hat sich nach einer Verletzung einen Stammplatz in der Mannschaft erkämpft.

Sein Trainer „Gino“ Teixeira-Rebelo lobt ihn: „Er ist zuverlässig, intelligent und variabel einsetzbar. Er hat ein gutes Auge und ein super Stellungsspiel. Er ist eine feste Größe bei uns.“ Sein Schicksal beschäftigt auch ihn: „Was er erlebt hat ist schlimm, wir helfen ihm wo wir können.“

Sportlicher Aufschwung

Zubaida ist auch für den derzeitigen sportlichen Aufschwung der TuS Metzingen mitverantwortlich. In der Winterpause haben viele den Verein bereits zu den sicheren Abstiegskandidaten gezählt. Aber eine tolle Serie ungeschlagener Spiele lassen im Otto-Dipper-Stadion wieder Hoffnung aufkeimen, den Klassenerhalt zu schaffen. Auch mit tatkräftiger Hilfe von Mohamad Zubaida.
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